Fall 4 – Leyla Hannan

Am 25. 6. 2008, vormittags gegen 10 Uhr traf eine Gruppe Soldaten der türkischen Armee auf den Leichnam einer gefallenen kurdischen Kombattantin. Deren Identität wurde später als Leyla Han­nan festgestellt. Der Ort des Geschehens war Ağrı/Tendürek.
Wie sich aus einer – dieser Anzeige beigefügten – Bilderserie ergibt, fotografierten die Soldaten mehrfach den Leichnam und sich selbst. Mehrere Armeeangehörige posierten mit Waffe neben der Toten. Andere berührten die Tote und zerrten an der Bekleidung. Beide Strümpfe der Gefallenen wurden ausgezogen und offenbar als Trophäen mitgenommen.
Dies stellt ein Kriegsverbrechen gegen Personen gemäß § 8 Abs. 1 Nr. 9 VStGB dar.
Die Gefallene ist eine nach dem humanitären Völkerrecht zu schützende Person. Das Recht auf Achtung der Gefallenen findet sich auch in Art. 34 Abs. 1 des 1. Zusatzprotokolls zum Genfer Abkommen.
Durch die Soldaten und ihr Verhalten findet eine entwürdigende Behandlung statt. Anerkanntes Schutzgut von § 8 Abs. 1 Nr. 9 ist auch die Totenehre (MüKo zu § 8 VStGB, Anm. 194). Geschützt ist das Pietätsgefühl der Angehörigen und eine würdige Totenruhe, ein Verstoß gegen die Men­schenwürde hingegen jede Herabsetzung wie eine Zurschaustellung durch Bilder und deren Ver­breitung. Genau das ist hier aber geschehen. Die Handlung ist auch vorsätzlich begangen worden.
Die Identität der Täter ist nicht bekannt. Sie sind jedoch auf den Fotos zu sehen. Ein Ansatzpunkt für die namentliche Ermittlung der Täter könnte das markante Emblem auf einigen getragenen Mützen der Soldaten sowie das Fotomaterial an sich sein.

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